Presseartikel – Economics Forum – Die Inflation schlägt zurück (?)

„Make Inflation Great Again!“ So könnte die globale Kapitalmarktreaktion seit dem überraschenden Sieg von Trump bei den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen kommentiert werden. Auch wenn noch viele Fragezeichen bezüglich der tatsächlichen Umsetzbarkeit von Trumps Vorhaben in der politischen Realität bestehen, startet mit der Wahl von ihm eine neue Ära.

Die Obama-Administration hinterlässt ihm eine Wirtschaft, die bereits nahe dem Potential-Wachstum ist und auch im Bereich der Arbeitslosigkeit mit einer Rate von 4,6% auf einem Neun-Jahrestief ist. Entsprechend haben die Ankündigungen von Trump, der eine expansive Fiskalpolitik mit hohen Infrastrukturausgaben und Steuererleichterungen favorisiert, die Märkte entsprechend stark bewegt.

Die globalen Anleihenzinsen sind seitdem insbesondere bei längeren Laufzeiten signifikant gestiegen. Weiters konnten insbesondere US-Aktien von der erwarteten ‚Reflationierungs-Regime-Änderung‘ profitieren, wobei es bei der Betrachtung der Sektorenperformances große Differenzen gibt. Als besondere Branchen-Gewinner stechen Finanzwerte, Industrieunternehmen und zyklische Werte hervor. Nicht zuletzt durch die erwarteten Politik-Vorteile des ‚US-Mittelstands‘ zeigt der Russell 2000 neue Allzeithochs und eine bessere relative Performance im Vergleich zu Large-Cap Werten.
Ob das kurze Strohfeuer an der Zinsfront tatsächlich ein Strukturbruch ist, hängt von der tatsächlichen Politik von Trump ab, und wie die Fed darauf reagieren wird. Mit der bevorstehenden weiteren Zinserhöhung der US-Leitzinsen geht es in der Geldpolitik einen weiteren Schritt in Richtung Normalisierung. Viele wirtschaftliche Indikatoren wie beispielsweise Energiepreise bzw. Gold zeigen derzeit noch keine Anzeichen für ein tatsächliches massives Anspringen der Inflation, insofern kann nach dem beobachteten Overshooting der Zinssätze nach oben nun eine volatile Findungsphase eines neuen Gleichgewichts erwartet werden.

Falls Trump tatsächlich seine fiskalischen Ausgabenprogramme durchsetzen sollte, müssen Investoren graduell ihr Portfolio auf Inflationierung anpassen, sei es durch Übergewichtung von Aktien und Reduktion von zinssensitiven Aktiensektoren oder durch eine generelle Erhöhung des Sachwertanteils bzw. Erhöhung der Allokation inflationsgeschützter Anleihen.

Eines mahnt jedoch derzeit wieder zur Vorsicht: es gibt aus Investoren- und Mediensicht derzeit so viel Mainstream-Einigkeit über die bestehende ‚Trumpflationierung‘, sodass diese Einigkeit auch als Kontraindikator gesehen werden könnte. Dass zu viel Einigkeit im Markt nicht zwangsläufig stimmen muss, haben wir erst vor kurzem wieder gesehen: weder der Sieg von Trump, noch die daraus resultierende positive Aktienmarktbewegung waren im Konsensus vorhergesagt.

Link zum Economics Forum auf e-fundresearch.com:
Die Inflation schlägt zurück (?)